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short stories

Die Katze, die sechs Sprachen sprach

Die Katze, die sechs Sprachen sprach

Berlin, 19. Juni 2016, 08.00 Uhr

Es ist 08.00 Uhr, noch früh am Morgen. Ich bin trotzdem schon aufgestanden. Die Hitze, der Sommer ist in diesem Jahr früh dran. Meine Schicht beginnt erst um 10.30 Uhr. Noch genug Zeit um in Ruhe zu frühstücken.Weil ich eh losmuss um Schrippen zu holen, schaue ich noch beim Zeitungsladen vorbei.

Lusaka, Sambia, 18. Juni 2016, 08.03 Uhr

Es ist 08.03 Uhr, noch früh am Morgen. Die Sonne schickt ihre ersten Strahlen über das flache Land. Die Wüste schläft noch. Es ist noch früh am Morgen. Nicht für einen deutschen Offizier. Brigadegeneral Reimers ist bereits seit Sechs wach. Er hat sich rasiert, ein paar Liegestütz für die Kondition, gut gefrühstückt, und seine Felddienstuniform angelegt. Den Kampf gegen den fortschreitenden internationalen Terrorismus kann nicht gewinnen, wer zu lange im Bett liegt. Jetzt erwartet er den Bericht seines Verbindungsunteroffiziers über den Erfolg des Bombardements eines Waffenlagers, welches gestern Nacht im Zentrum Lusakas gefahren wurde.

Lusaka, 18. Juni 2016, 08.15 Uhr

Oberfeldwebel Leisegang muss sich erst räuspern, ehe der General ihn wahrnimmt. „Herr General, Oberfeldwebel Leisegang, melde mich...“. „Jaja, schon gut, ohne Meldung“ schneidet der stämmige, sonnengebräunte General dem blasen Unteroffizier, dessen Haut aussieht, als müsse sie jeden Moment über seinen Wangenknochen aufreißen den Satz ab. „Nun Leisegang,“ setzt der General erwartungsvoll an, „wie steht’s, war unsere Aktion heute Nacht ein Erfolg wie?“. „Nun ja, Sir, es ist gewissermaßen so Sir...“ Wiederum fällt der Ranghöhere dem Untergebenen ins Wort. „Na ,na, Leisegang was soll das Herumgedruckse, immer frei heraus.“. Die Stimme des Generals klingt eine Spur weniger forsch und energisch als noch eine Minute zuvor. „Wurde das Ziel verfehlt, Oberfeld?“. „Nein Sir, das Ziel wurde exakt getroffen!“ antwortet der Oberfeldwebel schnell. „So dann, Leisegang, Warum dann so verhalten?“. „Nun ja, Sir, es ist gewissermaßen so, Sir, es ist, wie soll ich sagen, Sir, es war sozusagen kein Waffenlager im eigentlichen Sinne“. „Sondern?“ Auf der Stirn des Generals beginnen zwei Äderchen zu pulsieren. „Nun ja, Sir“, die Stimme des Oberfeldwebels ist jetzt ein wenig fester, „es handelte sich um ein ziviles Krankenhaus, Sir“. Jetzt ist es die Haut des Brigadegenerals, von der man meinen könnte, sie möchte jeden Moment über den Wangenknochen zerreißen.
„Gab es Tote?“.
„Ja, Sir.“.
„Wie viele?“.
„Sehr viele, Sir...zu viele.“
„Sie sagen, es gab Zivilisten unter den Opfern?“.
Ausschließlich Zivilisten, Sir.“
„Gibt es Überlebende?“.
„Nur wenige, Sir.“
„Besteht für sie Hoffnung?“.
„Kaum, Sir.“
Der Brigadegeneral sinkt auf einem Stuhl zusammen. „In wenigen Minuten muss ich dem Presseoffizier des Verteidigungsministers Rapport erstatten.“ General Reimerss sieht jetzt so aus, als habe er das Zelt seit mindestens einem halben Jahr nicht mehr verlassen und als habe er seinen letzten Liegestütz vor 27 Jahren auf dem Schulfest geschafft.“Danke, Leisegang... Sie können wegtreten...“

Lusaka, 18. Juni 2016, 09.13 Uhr

Telefongespräch zwischen Brigadegeneral Meinhardt Reimers, leitender Offizier der Operation „Everlasting Freedom“ in Sambia und Hauptmann Heiko Himmelhund, Presseoffizier für den Bundesminister für Verteidigung.

Reimers nimmt den Hörer ab. „Reimers?“

„Guten Morgen Herr Brigadegeneral, hier Hauptmann Himmelhund, Bundesministerium für Verteidigung, Pressestelle, Ich hoffe Sie haben gut geschlafen Herr General!“

„Nun ja, ja das habe ich.“

„Das freut mich zu hören Herr General. Herr General, um 09.30 Uhr erwartet der Minister meinen Bericht zur Lage vor Ort, Sie verstehen. Nun Herr General, wie stehen die Dinge in Sambia? Die Eliminierung des Waffendepots, Sie verstehen, konnten Sie bislang Erfolge in dieser Angelegenheit erzielen, Herr General, Sie verstehen, dem Minister liegt diese Sache doch sehr am Herzen, Herr General!“

„Nun ja“ (räuspert sich) „die Lage gestaltet sich derart dass es gewisse... Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Einsatzleitungen der Luftaufklärung und der Luftkavallerie gab, welche zur Folge hatten, dass die Luftkavallerie ihr Ziel zwar exakt eliminieren konnte, es sich dabei jedoch nicht unbedingt um das Ziel handelte, von welchem man von Seiten der Luftaufklärung annahm, das es sich darum handele...“

„Wie darf ich das verstehen, Herr General“

„Nun ja. Sagen wir es wie es ist. Bei dem bombardierten Gebäude handelte es sich nicht ausschließlich um ein Waffenlager. Ein Teil des Traktes wurde seit wenigen Wochen auch als provisorisches Lazarett für verletzte Soldaten genutzt.“

„Gab es Tote?“

„Nun ja, durch den Einsatz der neuen Mc Donall Douglas „WIPE OUT ALL 2.2“ Technik, welche sich durch eine sehr hohe...Effizienz auszeichnet gab es doch auch einen gewissen Anteil an Verletzten und Todesopfern.“

„Sind unter den Toten zivile Opfer zu beklagen?“

„Nun ja, sofern es unsere Feldaufklärung bislang ermitteln konnte befanden sich unter den Toten auch ein bis zwei zivile Sanitäter. Diese Angaben lassen sich jedoch bis zum momentanen Vorgang der Operation nicht mit Sicherheit bestätigen.“

„Nun so dann Herr General, der Minister erwartet in wenigen Minuten meinen Bericht Herr General, Sie verstehen, ich danke Ihnen für dieses Gespräch und verbleibe bis Morgen, Herr General, Sie verstehen...“

Legt auf. Reimers sitzt allein in seinem Zelt. „Ja, ich verstehe...“

Berlin, 18. Juni 2016, Punkt 09.30

Der Bundesminister für Verteidigung betritt mit schnellen Schritten das Pressebüro. Er wirkt geschafft, sieht aus als habe er von den letzten fünf Nächten keine länger als vier Stunden geschlafen und dieser Eindruck täuscht auch nicht. Obwohl er heute noch nichts gegessen hat und sich selbst an dem einen Schluck schwarzen Kaffee auch noch die Zunge verbrannt hat, sitzt sein Designeranzug makellos und sein Kinn ist glattrasiert wie ein Kinderpopo. Den bereits wartenden Presseoffizier nimmt er kaum war. „Wie sieht es aus, Himmelhund? Fassen Sie sich kurz, ich muss eigentlich vor einer halben Stunde losgefahren sein.“ „Guten Morgen Herr Minister, nun ja, Sie verstehen Herr Minister, die grundsätzliche Entwicklung in Sambia ist eine positive. Wie mir Brigadegeneral Reimers soeben am Telefon mitteilte gelang es den Alliierten Streitkräften heute Nacht im Rahmen der Operation „Everlasting Freedom“ ein Waffendepot der schiitischen Rebellen zu zerstören. Besonders hob General Reimers hierbei die hohe Präzision und Effizienz der Mc Donall Douglass „WIPE OUT ALL 2.2“ Technik hervor. Lediglich durch geringfügige koordinative Ungenauigkeiten seitens der Luftaufklärung wurden Teile eines benachbarten Lazarettes in Mitleidenschaft gezogen. Leider kam es hierbei zu einigen Verletzten und, nun ja, Sie verstehen, Herr Minister auch zu ein bis zwei Todesfällen unter Patienten des Lazarettes. Genaue Zahlen konnte die Feldaufklärung bis dato noch nicht liefern, Sie verstehen. Der Schaden hält sich jedoch in einem durchaus überschaubaren Rahmen und unter den Opfern sind keine Zivilisten zu beklagen.“

Berlin, 18. Juni 2016, 10.22 Uhr

dpa Pressemitteilung zur aktuellen Lage in Sambia

„Wie der Bundesminister für Verteidigung heute Morgen in Berlin auf einer Pressekonferenz mitteilte verläuft die Operation „Everlasting Freedom“ in Sambia reibungslos. Durch die hervorragende Vorarbeit der Luftaufklärung und die herausragenden Leistungen der Alliierten Piloten gelang es heute Nacht in Lusaka ein Waffen- und Munitionsdepot der schiitischen Rebellen zu zerstören. Menschenleben kamen hierbei nicht zu Schaden. Rebellenführer Al Schahadd bin Ussamar kündigte für die Aktion Vergeltungsschläge gegen Alliierte Truppen und eine Ausweitung schiitischer Selbstmordattentate auch in Europa an. Eine Präsenz der Alliierten Truppen in Sambia sei, so der Minister, aus diesem Grund auch weiterhin unerlässlich“.

Berlin, 19.Juni 2016, 08.03 Uhr

Es ist noch immer früh am Morgen. Inzwischen halte ich die aktuelle Ausgabe des Kuriers in der Hand. Meine Schicht beginnt um 10.30 Uhr. Noch genug Zeit in Ruhe zu frühstücken. Es hat auch seine Vorteile, das mit dem frühen Aufstehen. Nur beiläufig überfliege ich die neueste Schlagzeile:

Maren P., 39, aus Aschersleben berichtet: „Meine Katze spricht zu mir in sechs verschiedenen Sprachen. Sie wurde jedoch von Außerirdischen entführt.“
2.5.07 09:03





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